Was die Figurennamen in Harry Potter bedeuten (könnten)

Jüngst haben sie angefangen, Harry Potter endlich den filmischen Rahmen zu geben, die die Buchreihe verdient. Heißt: Harry Potter wird zur Serie. Ob das gut geht, weiß niemand. Vielleicht ist es noch nicht einmal sehr wahrscheinlich. Aber das wird man sehen – oder eben nicht.

Auf jeden Fall habe ich jüngst nachgeholt, was ich als Teenie versäumt habe. Nämlich, Harry Potter im Original zu lesen. Dass ich es bisher nicht getan habe liegt nicht daran, dass die kanonische Übersetzung durch Klaus Fritz schlecht wäre. Das ist sie nicht (ganz). Aber da Harry Potter in seiner ganzen Machart, in seinem Stil, seinen Vorurteilen und kulinarischen Abweichungen very british ist, ist es eine gute Sache, den Text im Original zu lesen.

Wenn die Übersetzung aus Hermione eine Hermine-ohne macht

Doch es gibt (mindestens) einen Stolperstein: die beste Freundin Harrys heißt plötzlich anders. Aus Hermione wird Hermine. Aus dem edlen Griechisch wird ein Teutonismus, der an Nagetiere gemahnt.

Denn Hermione ist ein griechischer Name, der sich auf Hermes, den Götterboten und Erfinder des Kommunikationswesen zurückführen lässt. In diesem Sinne wäre Hermione also eine weibliche Form des Götterbotens. Tatsächlich passt dieser Name recht gut zu dem blickigen Muggle-Mädchen, das ihre Klassenkamerad*innen überflügelt. Wie ihr Namenspate ist Hermine intelligent, eilt wenigstens gedanklich schnell von A nach B und überbringt ihren nicht ganz so smarten Freunden Ron und Harry tatsächlich Nachrichten, die von Belang sind.

Im Kontrast dazu der deutsche Name Hermine. Hermine ist eine weibliche Form von Hermann, was soviel wie Mann des Krieges oder der Armee bedeutet. Hermine würde so zur Kriegsfrau. Klar, das ließe sich schon passend machen, so richtig schön fitten will es aber nicht. Man könnte sagen: die Übersetzung verfälscht hier – vor allem, indem sie sich gemein zu machen versucht.

Merkwürdige Assoziationen: die Lestranges, die Lovegoods & der Lupin

Die beiden Lestranges sind eiskalte Killer, ziemlich attraktiv und heißen Bellatrix und Rodolphus mit Vornamen. Doch Bellatrix hat etymologisch nur wenig mit Schönheit zu tun. Bellatrix bezieht sich nicht auf die Bellisima, sondern vielmehr auf Bellum, also den Krieg. Bellatrix heißt also Kriegerin. Geboren als schwarze Kriegerin, wurde sie zur seltsamen oder fremden Kriegerin, wenigesten dem Namen nach.

Ihr Ehemann und Nachnamensspender wiederum, Rodolphus, stammt dem Namen nach vom guten alten Rudolf ab. Rudolf wiederum hat nur wenig mit roten Nasen, dafür aber ziemlich viel mit ehrenvollen Wölfen zu tun. Rodolphus Lestrange ist also ein ehrenvoller Wolf fremder Herkunft. Insbesondere Xenophilus Lovegood wäre der Nummer-1-Kandidat für eine Liason mit dem Heroin-Chic-Pärchen. Schließlich ist er nicht nur ein guter Liebender, sondern liebt sogar noch das Fremde (Xenophilius). Seine Tochter hingegen wird schon im Roman zum Loony gemacht, zur mondsüchtigen Gut- oder Großliebenden.

Doch Rodolphus Lestranges hat auch noch seine Assoziationen zu Remus Lupin, der in seinem Namen natürlich auf Lupus, den lateinischen Wolf verweist. Dabei ist der Vorname Remus ebenfalls wolfaffin, schließlich ist Remus der Bruder von Romulus und weit mehr als ein italienischer Abklatsch von Abel. Remus und Romulus wurden von einer Wölfin, einer Lupa, gesäugt. Man könnte sie Söhne der Lupa nennen. Lupa heißt übrigens auch noch etwas anderes als Wöflin. Aber das berechtigt nicht dazu, zu sagen, alle Römer seien Filii lupae.

Schwarz, Weiß und Rot…

Ist auch dieser Blog abgebogen, hisst die Reichskriegsflagge und wählt von nun an AfD? – Natürlich nicht. Schwarz verweist hier natürlich auf Sirius Black. Der ist als Animagus ein schwarzer Hund, wobei der Hund auch dadürch abgestützt wird, dass Sirius der Hundstern ist, also der, der am Ende der Hundstage steht. Sirius bedeutet der Wortbedeutung nach soviel wie der gleißende. Der schwarz Leuchtende, eine immerhin poetische Komposition.

Das Weiße in der Überschrift verweist natürlich auf Albus Dumbledore, der weiße oder weise Dumbledore. Gleichzeitig ist der Nachname, so wenigstens bemerkte die J. K. Rowling, ein Verweis auf eine anachronistische Bezeichnung der Hummel. Rot wiederum steht hier für Rubeus Hagrid. Rubeus verweist natürlich auf den Rubin, Hagrid wiederum soll, so die Autorin, ein altenglischer Ausdruck sein. To be hagrid: das soll heißen, eine besonders schlechte Nacht gehabt zu haben. Von allen Figuren ist Hagrid die, die am häufigsten einen Kater hat. Sollte die Autorin also recht haben, ist das schon stimmig.

… besiegen den Tod

Alle drei Farben zusammen sind übrigens auch in einen Zusammenhang mit dem Stein der Weisen zu setzen. In der Ripley-Scroll, einem alchemistischen Werk aus dem 15. Jahrhundert. Darin wird beschrieben, dass der Stein der Weisen nur aus drei anderen Steinen, einem weißen, einem roten und einem schwarzen hergestellt werden können. Schwarz, weiß und rot zusammen helfen dabei, den Tod zu besiegen. Das gilt allerdings nur in den seltenstens Fällen für diese Farbkombi. Im deutschen Sprachraum steht sie eher für die Hingabe an den Tod.

Severus Snape… der ernsthafte Schnitt

Wer jemals an Snapes Integrität gezweifelt hat, der hat seinen Namen nicht verstanden. Severus bedeutet soviel wie ernst oder streng, was schon gut zum Dunkelmagier für Zaubertränke passt. Snape wiederum ist ein wenig uneindeutig. Die Theorien, die sich so finden lassen, gehen auseinander. Einige verweisen darauf, dass Snape sich vom altnordischen sneypa ableiten würde. Sneypa wiederum bedeutet, jemanden zu entehren, aber auch, ihn zu provozieren. Aus dem modernen Isländisch wird es mit jemanden beschimpfen übersetzt.

So passt Snape als Derivat von sneypa durchaus besser zum Charakter der Figur – wenigstens über den größten Teil der Bücher. Wer Snape auf das Englische zurückführt, würde eher die Bedeutung vertreten, Snape beziehe sich auf das Verb to snape, das soviel wie tadeln oder zurückweisen bedeutet. Auch das passt. Severeus Snape bleibt ein ernster Tadler und Mahner. Gleichzeitig ist er der vielleicht einzige wirklich tiefschichtige Charakter in Harry Potter.

Harry Potter. Oder: der gewollt Ordinäre

Und was ist mit ihm, dem Namensgeber, also dem Typen, der in einer deutschen Durch-und-Durch-Übersetzung wohl Harald Töpfer hieße? Der hat seinen Namen vor allem bekommen, um relatable zu sein. Zwar gibt es in Großbritannien momentan weniger als 20 Harry Potters, John Smith wäre also in dieser Hinsicht vielleicht eine bessere Wahl gewesen.

Gleichzeitig hat der Name aber den großen Vorteil, zwar ziemlich gewöhnlich, dabei aber ungemein catchy zu sein. „Potter“, das klingt nicht nur aus Malfoys Mund gut und deutlich und verrotzt. Potter ist also gewollt ordinär, gleichzeitig aber nicht so ordinär, dass die Figur durch tatsächliche Bekanntschaften der Leser*innen kontaminiert werden muss. Kaum einer hat wirklich einen Harry Potter zum Nachbarn. Das Ding ist: jeder könnte einen haben.

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