Montag ist auch nur ein Name, Motherfucker! Oder: Was zur Hölle ist eigentlich los mit uns?

Eigentlich hasse ich Montage gar nicht mal so besonders. Viel schlimmer sind Sonntage. Man kann nicht einkaufen, alles stinkt vor Besinnlichkeit, was in der Woche leer ist, bricht vor lauter Bystandern auseinander… Es ist einfach schrecklich. Aber darum geht es hier nicht.

Vielmehr geht es darum, dass ich neulich, an einem spezifischen Montag, den ich wirklich gehasst habe, mir selbst Mut einreden konnte mit dem Ausspruch: „Montag ist auch nur ein Name, Motherfucker!“ Und irgendwie zog ich daraus eine gewisse Befriedigung. Also vor allem aus dem Wissen, dass ich seit ca. 35 Jahren den Namen eines Tages benutze ohne auch nur die leiseste Ahnung zu haben, was dieser Name eigentlich bedeuten soll.

Also los: hier kommt, pünktlich zum Montag, der Durchgang durch die Wochentage. Nebst der abschließenden Frage, was eigentlich – verdammt nochmal – mit uns los ist. Denn ich kenne tatsächlich nicht eine Person, die sich die Frage nach den Tagesnamen überhaupt jemals gestellt hat. Schlafschafe, echt ey.

Montag

Der Montag war nicht immer der erste Tag der Woche. Noch im Mittelalter war der Sonntag der erste Tag, der Montag entsprechend der zweite. Im Hebräischen, Arabischen und weiteren Sprachen des nahen Ostens ist das auch immer noch der Fall. Aber das hat mit unserem Montag gar nicht so schrecklich viel zu tun. Der Montag, den ich jahrelang mit Herrn Mohn in Verbindung brachte, ist tatsächlich nach dem Mond benannt.

Aber warum? Jeder Mondzyklus umfasst vier Montage. Möglich, dass es früher üblich war, am Montag mal zu checken, was der Mond so macht, ist er halb, ist neu, voll? – Aber das ist eher nicht so. Montag ist tatsächlich die Übersetzung des dies lunae – und da wir Barbaren den Kalender von unseren Römischen Kolonisatoren übernommen haben, liegt das irgendwie nahe.

Das erklärt aber nicht, warum auch die Norweger, Schweden und Dänen den Begriff übernommen haben. Und es erklärt nicht, was die Römer zum Ausdruck bringen wollten. Womöglich wollten sie das gleiche wie die Japaner, die merkwürdigerweise mit getsuyôbi ebenfalls den Montag mit dem Mond verkoppelt haben. Die japanischen Wochentage sind nach den Himmelskörpern benannt. Am Anfang liegt dabei der Mond – ist uns schließlich auch der nächste.

Dienstag

Beim Dienstag haben sich unsere nach ranziger Butter riechenden Vorfahren etwas ganz besonderes cross-kulturelles ausgedacht. Auch beim Dienstag handelt es sich um eine Übersetzung, allerdings ist die etwas vertrackter.

Also: Der Dienstag leitet sich irgendwie vom germanischen Gott Tyr ab. Tyr ist der, der den Thing – den Rat der Germanen – beschützt. Der Dienstag kommt aber nicht direkt vom Thing und auch nicht direkt von Tyr, sondern ist eine Übersetzung des Dies Marti, des Tages des Mars. Denn Mars, der Kriegsgott, wurde als Mars Thincsus bei den Angelsachsen verehrt und ein römisch-germanischer Gott. Kurz: Man hat also aus Mars Tyr gemacht und das wurde dann die Grundlage der Übersetzung von Marstag zu Dienstag.

Mittwoch

Der Mittwoch folgt einen Regeln. Nicht nur, dass die Ärzte nachmittags frei haben, er ist auch der einzige Tag, der von deutschen Sprachbenutzer*innen semantisch verstanden werden kann. Er bricht damit aber mit der Logik der anderen Tage, würde ich behaupten.

Der Mittwoch soll der Mittwoch sein, weil er aus einem anderen Register stammt. Er ist ein Relikt der mittelalterlicher Wochenzählung – der von oben, in der Montag noch der zweite Tag war. Und unter den Umständen ist er sogar wirklich die Mitte der Woche, denn vor und hinter ihm liegen jeweils drei Tage.

Der heutige Mittwoch ist lediglich die Arbeitswochenmitte – und damit prinzipiell verachtenswert. Er soll übrigens als Bezeichnung im Mittelalter eingeführt worden sein, damit keine germanischen Götter mehr vorkommen. Wie wir sehen werden, hat das nicht geklappt.

Donnerstag

Denn natürlich ist der Donnerstag nach Thor benannt. Hier ist es so ähnlich wie beim Dienstag. Die Griechen benannten den Tag nach Zeus, die Römer nach Jupiter, da ließen sich die Germanen nicht lumpen und benannten den Tag kurzerhand nach ihrem Obergott.

Andere, etwa die Isländer*innen, benennen den Tag nach seiner Stellung in der Wochenreihe. Da heißt er fimmtudagur, in Bayern soll es Menschen geben, die vom entsprechend vom Pfinztag sprechen.

Freitag

Für die Wagner-Fans ist der Freitag jetzt natürlich leicht zu entschlüsseln. Wenn Donnerstag nach Thor benannt ist, dann wird jetzt halt die holdselige Freya zur Namenspatronin. Und natürlich ist das nicht so.

Zwar wurde auch hier wieder froh aus dem Lateinischen geraubt und der Dies veneris, der Tag der Venus, zum Tag eines germanischen Pendants. Und eigentlich ist Freya ja durchaus die Liebesgöttin der Germanen. Aber tatsächlich hat man sich aus irgendeinem Grund dazu entschieden, den Namen auf Frigga zurückzuführen, die im Südgermanischen Frija hieß.

Frigga ist Odins Frau und wird von vielen Quellen aber tatsächlich auch mit Freya identifiziert. Sie überschneiden sich teilweise auch, so ist Frigga zwar eigentlich keine Liebesgöttin im engeren Sinne, aber zuständig für Ehe, Leben und Mutterschaft. Und das alles ist ohne Liebe ja auch nur so halb zu haben.

Samstag

Der Samstag ist spannend, weil im Deutschen zwei Formen hat. Samstag und Sonnabend haben ihre eigene regionale Verbreitung und Etymologie. Während man in Rostock vom Sonnabend spricht, kennt man in Karlsruhe den Samstag. Allerdings geht der Gebrauch des Sonnabends deutlich zurück. Ist der Samstag eine Herrschaftsbezeichnung?

Jedenfalls geht der Samstag in letzter Instanz auf den Sabbat zurück. Im Italienischen spricht man auch immer noch von sabato. Der Samstag ist aber nicht direkt hebräischen Urpsrungs, sondern kommt über die Vermittlung des Griechischen.

Der Sonnabend wiederum kommt aus dem Altenglischen und bezeichnet tatsächlich nichts anderes als den Tag bzw. streng genommen: den Abend vor dem Sonntag. Der Sonnabend funktioniert der Logik nach also wie der Heiligabend, der ja auch der Abend vor Weihnachten ist. Im Prinzip ist jeder Sonnabend ein kleiner Heiligabend. Samstag/Sonnabend ist übrigens seit frühester Kindheit mein absoluter Lieblingstag.

Sonntag

Tja, und jede Woche kommt der Absturz. Auf den Samstag folgt der schrecklichste Tag überhaupt: der Sonntag. Der ist ebenfalls eine Übersetzung aus dem Römischen, denn dort hieß der Tag Dies solis, nach Sol dem Sonnengott. Im Griechischen war er nach Helios benannt.

Im Mittelalter wurde der Dies solis dann zum Dies dominis, zum Tag des Herrn. Das ist er heute allenfalls in Andeutungen, etwa wenn man die Sonne mit Gott gleichsetzt. Mehr gibt es über den Sonntag nicht zu sagen. – Naja, es gäbe schon was.

Und was macht das mit/aus uns?

Aber viel wichtiger ist die Frage, was das eigentlich aus uns macht, die wir Jahrzehntelang Namen in größter Selbstverständlichkeit verwenden ohne uns auch nur die Frage zu stellen, was sie eigentlich bedeuten. Ich glaube, dass ich gar nicht so schrecklich dramatisiere, wenn ich sage, dass das auf irgendeine Form symptomatisch ist.

Viele von uns sind der Meinung, sehr viel zu hinterfragen. Auch ich gehöre zu dieser Fraktion, die (hinter vorgehaltener Hand, versteht sich), von sich behauptet, eher zum kritischen Spektrum zu gehören. Was dieser kleine Exkurs mit den Wochentagen aber zeigt: So schrecklich weit her ist es nicht, mit meiner durchdringenden „bezweifle alles“-Pose.

Ich meine, natürlich glauben wir alle von uns, wir seien kleine Descartes. Aber letzten Endes könnte es doch wirklich der Fall sein, dass man uns so ziemlich alles erzählen kann, wenn man nur mit der entsprechenden Autorität auftritt. Und was, bitteschön, hat mehr Autorität als ein Montag?

Vielleicht ist das keine der drei bis acht großen Kränkungen der Menschheit. Aber ein kleiner Stachel war es doch, den ich verspürte, als mir klar wurde, dass ich immer dann, wenn ich die Wochentage benutze, eifrig nachplappere, ein wunderbarer Papagei bin, aber sicher kein neues Cogito.

Auf der anderen Seite: So schlimm ist es vielleicht auch nicht. Denn seien wir mal ehrlich: sonderlich kreativ sind die Namen jetzt auch nicht. Vielleicht wäre eine Wiedereinführung des mittelalterlichen Systems tatsächlich befriedigend. Denn, so paradox das klingen mag, es ist das rationalere System. Cheers, liebe Aufklärung.

3 Kommentare zu „Montag ist auch nur ein Name, Motherfucker! Oder: Was zur Hölle ist eigentlich los mit uns?

  1. Ich bin einer, ein Mensch, der sich die Frage nach den Tagesnamen schon ein paar Mal gestellt hat.

    Du schreibst verdammt gut. Cheers, Maria

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