Leif Randts Roman Allegro Pastell ist eine brillante und zeitgemäße Liebesgeschichte, die auf faszinierende Weise die Lebenswelt der heutigen Generation in all ihrer digitalen und emotionalen Komplexität einfängt. Der Roman erzählt von Tanja und Jerome, einem Paar, das sich zwischen Großstadt und Provinz, zwischen ihren Karrieren und ihrer Beziehung bewegt, und dabei die Spannung zwischen Nähe und Distanz auslotet.
Allegro Pastell: Eine Sprache diesseits des Schönen
Die Geschichte entfaltet sich in einer Sprache, die so präzise wie lakonisch ist. Randts Prosa wirkt stellenweise nüchtern, fast kühl, und passt perfekt zu den Protagonisten, die in einer Welt leben, in der Emotionen oft durch Ironie oder digitale Kommunikation vermittelt werden. Tanja ist Schriftstellerin in Berlin, Jerome Webdesigner im beschaulichen Maintal. Ihre Beziehung spielt sich hauptsächlich über WhatsApp-Nachrichten, gelegentliche Besuche und gemeinsame Urlaube ab. Doch anstatt nur die Probleme der Fernbeziehung zu thematisieren, reflektiert der Roman auf eine subtile Weise auch über Selbstentwürfe, Individualismus und die Suche nach Sinn in einer hochflexiblen Gesellschaft.
Themen und Motive
Ein zentrales Thema von Allegro Pastell ist die Fragmentierung von Beziehungen und Identitäten. Randt beleuchtet, wie Menschen in einer Welt voller Möglichkeiten und digitaler Ablenkungen dennoch nach Verbindlichkeit suchen. Dabei bleibt der Roman angenehm ambivalent: Er glorifiziert weder die Unabhängigkeit noch romantisiert er die Bindung. Stattdessen zeigt er, wie Tanja und Jerome sich immer wieder zwischen diesen Polen bewegen.
Ästhetik und Zeitgeist
Der Titel Allegro Pastell beschreibt nicht nur den Ton des Romans, sondern auch seine Ästhetik. „Allegro“ suggeriert Leichtigkeit und Geschwindigkeit, während „Pastell“ auf die zarten, zurückhaltenden Farben verweist, die Randt in seiner Erzählweise verwendet. Der Roman ist durchdrungen von einer Atmosphäre, die einer Instagram-Filter-Ästhetik ähnelt: stilvoll, aber manchmal bewusst distanziert. Dieses Spannungsfeld macht die Lektüre zugleich anregend und nachdenklich.
Leif Randt: Modern, nicht modisch
Leif Randt hat mit Allegro Pastell einen klugen und subtilen Roman geschrieben, der als Porträt einer Generation dienen kann. Er hält den Leser*innen einen Spiegel vor, ohne dabei didaktisch zu wirken. Der Text ist modern, aber nicht modisch, präzise, aber nicht kalt, und in seiner Gesamtheit ein faszinierendes Abbild unserer Zeit.
Für Leser*innen, die sich für die Feinheiten moderner Beziehungen und den Einfluss digitaler Kultur interessieren, ist dieser Roman eine klare Empfehlung.