Es gibt auch andere Dinge als Bücher. Filme zum Beispiel. Und auch die arbeiten kräftig an dem mit, was man heterosexuelle Matrix nennen kann. Allen voran die Machwerke des kulturindustriellen Players schlechthin: Der guten alten Walt Disney Company.
In diesem Beitrag werden nur zwei Filme der Disney Company hinsichtlich der dargestellten Geschlechterverhältnisse interpretiert. Und auch dies nur sehr kanpp. Es gibt mehr Filme, die sich heteronormativ in Szene setzen und es gibt schlimmere. Das tut aber auch gar nicht viel zur Sache.
Wall-E und Alles steht Kopf gehören vielleicht eher zu den weniger eindeutig heteronormativen Filmen aus der Genderschmiede Disney. Wobei: nein!
Aber gemeinsam haben sie auf den ersten Blick nicht so schrecklich viel, außer, dass sie beide Drehbücher von Pete Docter haben und irgendwie wirklich schöne Filme sind. Referenzfilme, die deutlich fieser sind, wären wohl Toy Story, der ungleich gruseliger, oder Findet Nemo, der ungleich verzweifelter ist. Wall-E und Alles steht Kopf sind Filme, die auf den ersten Blick gar nicht so schrecklich klischeeträchtig sind. Gute Filme, die zeigen, warum Disney so viel,viel besser als das nun doch sehr flache Studio Illumination ist.
Und doch.
Geschlechtsstereotype nach dem Untergang: Wall-E
Wall-E und Eve sind – und das ist gar nicht mal so subtil eingearbeitet – durchaus als Produkte des Apple-Konzerns denkbar. Bei Wall-E ist es vor allem der Startup-Sound bei Eve die Optik. Und ein gutes altes Product Placement gibt es auch zu bewundern. Aber dem sei, wie es sei.
Wall-E jedenfalls, der Protagonist, ist ein typischer Junge. Er ist genügsam, hat seine Aufgabe, ist ein wenig nerdy dabei aber durchaus künstlerisch veranlagt. Tanzen kann er nicht so gut, er ist auch nicht hübsch, aber hey: tanzen ist ja nur was für Mädchen und Jungs müssen nicht hübsch sein. Sagt zumindest die Elterngeneration, die auch für Wall-E verantwortlich ist.
Eve hingegen, deren Name Programm ist, kann tanzen (und wie) und sie ist hübsch (und wie!) und ein wenig unnahbar, zickig und kratzbürstig ist sie auch (und wie!!!).
Aber bei aller Schönheit und auch bei ihrer unbestreitbaren Konsequenz und Kompetenz, was ist nochmal ihre „Aufgabe“? Richtig, ein Gefäß darzustellen, in dem das Leben weitergetragen wird. Sie ist Eva. Und der Name Eve funktioniert genau so wie der christlich-jüdisch tradierte Name Eva: als Mix aus Eigenname und Gattungsbezeichnung.
Und klar ist ja auch, dass Eve sich zuerst ein bißchen ziert, schließlich ist sie eine starke selbstbewusste Roboterin. Am Ende jedoch unterliegt sie dem minnenden Wall-E, seinem Charm vielleicht, auf jeden Fall seiner Treue.
Aber dann gibt es doch am Ende doch so etwas wie eine Umkehr der Geschlechtsstereotype. Schließlich erweckt sie Wall-E mit einem Kuss, wie der Prinz Dornröschen. Aber wenigstens bleibt das Ganze heterosexuell. Und eigentlich ist das gar nicht so eine große Umwandlung. – Wobei, auch dies sei fairnishalber erwähnt: Den Phallus hat hier Eve, also die Waffe. Und Wall-E ist letztlich der, der auf Aufrechterhaltung, Rekreation und Haushalt gepolt ist. Warum aber selbst eine Geschichte über Roboter nicht ohne Liebesgeschichte auskommen kann?
Die Heterosexuelle Matrix im Hirn: Alles steht Kopf
Über „Rileys erstes Date“ müssen wir kaum sprechen. Der Kurzfilm wendet sich an die Eltern, die es ohnehin hinter sich haben. Oder? Na, sprechen wir kurz drüber: Mama und Papa sind nur so gut wie ihre Klischees. Der Junge kommt um das Mädchen abzuholen, Papa sieht dies als feindliche Penetration seines Safe-Spaces (oder seines Harems, wer weiß), freundet sich aber über die Musik, das nerdige Jungenhobby, an und genau das gefällt der Mutter, die den Draht zu ihrer Tochter durch Jugendsprache wiederherzustellen sucht. Am Ende gibt es vertrocknete Romantik zwischen Mama und Papa. Das ist irgendwie unangenehm zu sehen und da schauen wir lieber schnell weg, wenngleich der Hauptfilm letzten Endes auch nicht viel besser ist.
Das heißt: Er ist natürlich viel besser! Und er ist kreativ, schön, rührend, vielleicht sogar ein kleines bißchen smart. Und wer bei dem Film nicht gerührt ist, den rührt vielleicht gar nichts mehr. Aber: Was heißt es eigentlich, dass Rileys Gehirn von folgenden Entitäten besiedelt wird?
Freude: weiblich
Kummer: weiblich
Ekel: weiblich
Angst: männlich
Zorn: männlich
Nimmt man diese Zuweisungen ernst, dann kommen Männer irgendwie nicht gut weg. Sie sind rudimentär: Fight or Flight, Aggression und Angst. Frauen scheinen in dieser Lesart subtiler, fähig zu so tiefen Gefühlen wie Ekel, Freude und Trauer. Aber warum müssen diese Gefühle eigentlich so klare Geschlechtsrollen performieren? Sollen sie relateable sein womöglich? Oder ist es Zufall?
Aber gut, immerhin hat Riley als Mädchen nicht nur weibliche Gefühle.
Wobei: Das ändert sich ja, wie es aussieht und hat womöglich mit jenem roten Schalter Pubertät zu tun. Oder woran liegt es, dass der Vater ausschließlich von Männern gesteuert wird? Und Rileys Mutter ausschließlich von Frauen.
Und warum bezeichnet Angst Wut in Daddies Kopf als Chef? – Dumme Frage, weil Wut der Chef ist. Rileys Vater ist getrieben von Zorn und Agression, er ist halt ein Mann.
Und die Mutter? Die ist natürlich von Kummer getrieben, wenngleich es bei ihr deutlicher flacher in der Hierarchie zugeht, schließlich ist sie eine Frau und die sind ja von Natur aus auf Ausgleich getrimmt. – Kein Wunder, dass sie bei einer so rigiden Geschlechtsrolle depressiv wird und dem Kummer die Führung überlässt.
Aber wenigstens bleibt ihr, dass sie eigentlich klüger ist, wenn sie dafür sorgt, dass der Ernährer so gut performen kann, wie es nur geht: „Wollen wir das für ihn tun, Riley?“ Ja, natürlich wollt ihr, ihr seid ja gute Mädchen. Schöne alte Welt, das ist Alles steht Kopf, wo nichts auf dem Kopf steht. Ein Film über den Verstand: Aber vor allem darüber, was die richtige sexuelle Rolle ist.
Viel Spaß beim Großwerden Riley!