Was haben Tristan Tzara und die Beatles gemein?

Natürlich hatte es rein gar nichts mit LSD zu tun als John Lennon Lucy in the Sky with Diamonds schrieb und wahrscheinlich hatte es auch nichts mit Tristan Tzara zu tun (tri-tza-tzu-tu: eine Alliteration, die sicher auch nichts mit irgendwas… – aber wie auch immer).

Tristan Tzara ist eigentlich ziemlich bekannt, gründete er doch zusammen mit Hugo Ball und Hans/Jean Arp die Zürcher Gruppe des Dadaismus, war Stammgast im Café Voltaire, traf sich mit Breton in Paris undsoweiter undsoweiter. Trotzdem hat er sich, zumindest bisher, radikal unter meinem Radar halten können. Was aber auch nichts weiter bedeutet…

Also, Tristan Tzara, Heiligabend ’63 in Paris gestorben (vielleicht in seinem von Adolf Loos erbauten Haus?) gilt eher als Organisator des Dadaismus und weniger als elaborierter Künstler desselben, wie es eben für Arp und Ball gilt. Dennoch hat er, wie ich finde, einen ziemlichen Wurf gelandet, wenigstens einen Würfelwurf, als er folgende Anleitung und Umsetzung dieser Anleitung herauswarf.

Nehmt eine Zeitung.

Nehmt Scheren.

Wählt in dieser Zeitung einen Artikel von der Länge aus,

die Ihr Eurem Gedicht zu geben beabsichtigt.

Schneidet den Artikel aus.

Schneidet dann sorgfältig jedes Wort dieses Artikels

aus und gebt sie in eine Tüte.

Schüttelt leicht.

Nehmt dann einen Schnipsel nach dem anderen heraus.

Schreibt gewissenhaft ab

in der Reihenfolge, in der sie aus der Tüte gekommen

sind.

Das Gedicht wird euch ähneln.

Und damit seid Ihr ein unendlich origineller Schriftsteller

mit einer charmanten, wenn auch von den Leuten unver-

standenen Sensibilität

Tzara, Tristan: „Poetische Aktion“, Hamburg 1984: Verlag Lutz Schulenburg

Und bei Tzara selbst kommt dann so etwas heraus: „wenn die hunde die luft in einem diamanten durchqueren“ und das klingt dann doch so fulminant nach LitSwD, dass es eigentlich gar kein Zufall sein kann, was der Zufall da macht.

Überfällt einen hier dieses Gefühl, als wenn die Fakälien im Klo zurückschwappen? Dieses Gefühl einer Unordnung, die eigentlich nichts anderes ist, als die echte Ordnung, das heißt: die reale Ordnung? Die Ordnung des Realen, die es ja nicht gibt. Also kurz: das Reale? Ist es das Reale, das sich hier ausspricht wie ein Ouija?

Was haben die Beatles also mit Tristan Tzara gemein? Dass sie mit den Mitteln symbolischer Ordnung, also der Buchstaben, Morpheme, Worte, das wiedergeben, was das Reale eingibt. Zufall – so kann man es sicherlich nennen. Aber vielleicht ist Zufall – genauso wie Schicksal – nur so ein Wort, das versucht in symbolischer Ordnung dem Realen beizukommen und das entzieht sich gerade so wie es Hunde tun, die die Luft in Diamanten durchqueren oder wie es Lucy tut, die nicht nur in der diamantenen Luft hängt, sondern auch noch zum ersten Menschen wurde, gerade weil sie im Äther hing. Zufall?

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