2019 kam der erste Teil von Jim Knopf & Lukas, der Lokomotivführer als Tonie auf den Markt. Dass die Figur bis heute (Anfang 2023) mit dem Handschlag zwischen dem Kaiser von China (sic!), Jim & Lukas endet? Geschenkt! Besseres Entertainment versprechen die Kommentarspalten, die ihr hier findet: https://tonies.com/de-de/blog/2019-02-21/neuigkeiten-zu-jim-knopf/
Was mich nicht interessiert ist, welche Blüten Political Correctness trägt oder anders: Was passiert mit der ursprünglichen Intention von PC, wenn sich gelangweilte, weiße Grafenberger mit ihr beschäftigen? Wie gesagt, das interessiert mich nicht. Wobei doch, aber… Was soll’s.
Worum geht’s also?
Die Firma Boxine, also die Firma der Tonies, bringt einen Jim-Knopf-Tonie auf den Markt, der aussieht wie der Jim Knopf, den F.J. Tripp für die Originalausgabe des Buchs gestaltet hat: man kann sagen subsaharaafrikanesk, man kann sagen stereotyp.
Auf der Firmenseite heißt es:
Auch bei uns anderen Tonies war der Jubel groß, denn auch wenn wir all unsere Tonies toll finden, so war speziell Jim von Anfang an eine ganz besondere Herzensangelegenheit für uns, hatte uns seine Geschichte doch als Kinder wie kaum eine andere begleitet. Wir schwelgten in Erinnerungen und fühlten uns unmittelbar zurückversetzt in wohlige Kinderzimmer-Atmosphäre. Motiviert machten wir uns schnell an die Arbeit, “unserem” Jim Knopf die Gestalt zu geben, in der wir ihn seinerzeit kennengelernt hatten.
Der Keim einer Rechtfertigung! Die Gestalt, in denen die Boxine-Menschen Jim „seinerzeit kennengelernt hatten“ – ja, und die Gestalt war halt stereotyp, war halt ne andere Zeit, wir hatten ja nix oder so. Der Punkt ist aber, dass der Jim Knopf, den die Boxines nur in Anführungsstrichen als den ihren bezeichnen, dann doch viel zu schwarz war. Und weil das der Fall war, musste Jim sich eines Bleachings unterziehen, wobei er nun einen schönen Hautton hat, der zwischen Terrakotta und Orange osziliert.
Naja, alles schön und gut – oder halt auch gar nicht. Der alte Jim Knopf, der, der auf den Büchern immer noch drauf ist, ist tatsächlich stereotyp. Aber eigentlich geht es in diesem Beitrag gar nicht darum. Und eigentlich kann dieser Beitrag auch gar nicht so viel sagen. Nur ein paar Fragen stellen.
Nämlich:
Wenn die Firma BOXINE so ungemein politisch korrekt ist. Warum veröffentlicht sie eine Produktion, in der das Fantasieland Mandala zum doch recht konkreten Land China abgeändert wurde. Dadurch entstehen Sätze wie: „Die Chinesen sind ein sehr reinliches Volk“ oder „Die Chinesen haben Schlitzaugen“. Hab ich mir nicht ausgedacht, wird den Kindern so erzählt von ihrer Toniebox. Der Oberbonze Pipapo, okay, ich will auch nicht übertreiben und das steht ja auch alles so im Buch. Aber: na und?
Die Produktion ist selbstverständlich gecuttet, also hat jemand eingegriffen, es gab eine Regie, es gab ohne Ende Sätze, die gestrichen worden sind. Warum dann nicht der hier: „Ich heiße Ping-Pong“. Also, ich meine den eigentlich: „Das ist aber ein hübscher Name – und so passend.“ – Ja, allerdings, wenn man ein Rassist ist, ist der Name Ping-Pong für einen Chinesen, der „sehr reinlich ist“ und „Schlitzaugen hat“ natürlich sehr passend. Ansonsten eher nicht so.
Auch göttlich – oder sowas in der Art – die Reaktion König Alfons‘ des Viertelvorzwölften auf den erstmalig ausgepackten Jim: „Oh, das ist aber ein schwarzes Baby!“
Ich meine: ja, ist es, aber im Buch ist das tatsächlich nicht die erste Reaktion. Warum also wurde der Satz in der Tonie-Version so hervorgehoben? Oder bin ich paranoid? Bin ich der Fehler? Bin ich einer dieser Weißen, die allen anderen Weißen Rassismus unterstellen und selbst rassistisch ohne Ende sind? Vielleicht.
Vielleicht bin ich das – und die Produktion ist trotzdem rassistisch. Und Jim, ob er nun ein Bleaching hinter sich hat oder nicht, ist eine rassistische Figur. Keine Ahnung, vielleicht weiß der allseits wohlinformierte Stern da mehr. Wobei, vielleicht auch nicht.
Aber schön, dass sich Uwe Ochsenknecht zum Thema äußert. Man sollte die Kirche halt echt mal im Dorf lassen. Und die Moschee in Istanbul?